Demographischer Wandel, Fachkräftemangel: Innovative Unternehmen wirken dem entgegen, indem sie ältere Mitarbeiter beschäftigen. Allerdings: Da viele Unternehmen in der Vergangenheit auf junge Arbeitnehmer gesetzt haben, sind sie für die Bedürfnisse der Senior-Experten nur unzureichend sensibilisiert. Einen Wettbewerbsvorteil hat, wer die Arbeitsmotive älterer Mitarbeiter kennt – dann können Personalbeschaffung und Arbeitsbedingungen darauf abgestimmt werden.
Eine gute Nachricht für alle Arbeitgeber: In Umfragen wurden Senior-Experten nach ihrer Arbeitsmotivation befragt. Ergebnis: Es sind keine finanziellen Gründe, die sie antreiben. Im Gegenteil: Der Entlohnungsaspekt nimmt nur eine untergeordnete Rolle ein. Worauf müssen Unternehmen also achten, um ältere Mitarbeiter für sich zu gewinnen?
Ruheständler motiviert eine Arbeit, die ihnen Spaß macht, die sie interessant finden, die sie ausfüllt. Zudem sollte die Arbeit qualitativ hochwertig sein, so dass sie sich weiterentwickeln können. Damit wird klar, dass Ruheständler nicht nur für Aushilfstätigkeiten eingestellt werden sollten. Denn zum einen können sie hierbei nicht ihr volles Potenzial entfalten und ihre Erfahrung zum Einsatz bringen. Zum anderen haben sie weniger Motivation, die Arbeit auszuführen, da finanzielle Anreize nur bedingt wirken.
Auch soziale Aspekte sind wichtig: Das Gefühl, einen Beitrag zu leisten, Wissen einzubringen, Kontakt mit anderen Mitarbeitern zu haben und wertgeschätzt zu werden. Das alles sind starke Motivatoren. Darum sollten diese Motivatoren bei Stellenanzeigen, Arbeitsbeschreibungen und im täglichen Umgang am Arbeitsplatz eingebracht werden.

Gründe für Ruheständler, nach dem Erwerbsleben zu arbeiten.
Quelle: Universität Lüneburg (2007)
Bei älteren Mitarbeitern dominieren Interessen, die für viele Personaler neu sein dürften. Wichtig ist zu wissen: Senior-Experten streben nur selten eine langjährige Festanstellung an. Im Gegenteil: Sie wollen oft ausdrücklich keine feste Anstellung. Denn die durch den Ruhestand gewonnene Freiheit soll nicht wieder verloren gehen. Stattdessen wird eine Abwechslung von Arbeitsphasen und freien Zeiträumen bevorzugt (lesen Sie dazu auch: Arbeitszeitmodelle für ältere Mitarbeiter).
Ideal hierfür ist ein Modell der Projektarbeit, bei dem ein bestimmter Projektzeitraum definiert wird. Nach Ablauf des Projektes ist das Arbeitsverhältnis dann wieder beendet. Eine weitere Alternative ist eine Teilzeitanstellung, bei der einige Tage die Woche bzw. einige Stunden am Tag eine Arbeitsleistung erbracht wird. Senior-Experten bevorzugen diese Arbeitszeitmodelle. Deshalb gilt: Firmen, die diese Modelle anbieten, können die Experten motivieren, Wissen und Erfahrung in das Unternehmen einzubringen.
Was sollten Unternehmen noch mitbringen, um Senior-Experten zu gewinnen? Umfragen zeigen: Ruheständler stehen besonders gerne für beratende Tätigkeiten zur Verfügung. Zudem sind ihnen Selbstbestimmtheit und Entscheidungsfreiheit sehr wichtig. Ein Faktor, der sie als Arbeitnehmer sehr attraktiv macht: Senior-Experten sind erfahrener und treffen gerne Entscheidungen – häufig besser und schneller als ihre jungen Kollegen (lesen Sie dazu auch: Vorteile älterer Arbeitnehmer).
Ein weiterer wichtiger Punkt in der Zusammenarbeit mit Senior-Experten: Ihre Arbeit sollte Sinn stiften und Struktur geben. Daher sollten Senior-Experten auf ähnlichen Positionen einsetzt werden, auf denen sie auch vor dem Ruhestand tätig waren. So können sie ihr Wissen und ihre Erfahrung optimal einbringen, sind hoch motiviert und bleiben bis ins hohe Alter fit – körperlich und geistig.
Zu guter Letzt: Ältere Mitarbeiter wollen soziale Kontakte aufbauen. Deshalb empfiehlt es sich, ältere und jüngere Mitarbeiter gemeinsam in Teams einzusetzen (Siehe auch Vorteile altersgemischter Teams). Damit wird eine echte Win-win-Situation geschaffen: Senior-Experten profitieren von den sozialen Kontakten und der Wertschätzung – von dem Wissensaustausch profitiert dann das gesamte Unternehmen.

Ideale Arbeitsrahmenbedingungen aus Sicht arbeitender Ruheständler
Quelle: Universität Lüneburg (2007)
Bertelsmann Stiftung (2006), „Älter werden – aktiv bleiben?! - Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter Erwerbstätigen in Deutschland“, Bertelsmann Stiftung & TNS Emnid, Gütersloh
Hamburger Abendblatt (2010), „In jedem dritten Betrieb fehlen ausgebildete Spezialisten“, www.abendblatt.de, 07.07.2010
IfM Bonn (2009), „Personalpolitik mittelständischer Unternehmen im Zeichen des demografischen Wandels“, Institut für Mittelstandsforschung, Bonn
Marie-Luise und Ernst Becker Stiftung (2006), „Generation 60plus - tauglich für die Arbeitswelt 2020?“, Marie-Luise und Ernst Becker Stiftung , Köln
Nova Acta Leopoldina (2009), „Gewonnene Jahre - Empfehlungen der Akademiengruppe Altern in Deutschland”, Neue Folge Band 107, Nummer 371, Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina - Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, Halle (Saale)
Universität Lüneburg (2007), „Silver Workers – An empirical study of post-retirement activities – Economic and voluntary work of retired staff”, Leuphana Universität, Lüneburg
Zurück zur Übersicht Stand: 26.02.2011Trotz intensiver Recherche und gewissenhafter Prüfung übernehmen wir für die Inhalte keine Gewähr.
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