Der Trend zum „Jugendwahn“ bei der Besetzung von Arbeitsplätzen ist rückläufig. Trotzdem werden in deutschen Personalabteilungen jüngere Mitarbeiter oft bevorzugt. Zum Schaden für die Unternehmen: Sie beziehen viele motivierte und qualitativ hochwertige Arbeitskräfte nicht in den Entscheidungsprozess mit ein. Außerdem verpassen sie die Synergieeffekte, die eine gesunde Mischung aus jungen und älteren Mitarbeitern mit sich bringt (siehe auch Vorteile durch altersgemischte Teams). Darum stehen Senior-Experten jetzt hoch im Kurs.
Das Alter macht so manchen vielleicht nicht weiser, aber sozial kompetenter: So haben ältere Mitarbeiter bei den wichtigen „weichen Faktoren“ wie Sozialkompetenz, trainiertes Urteilsvermögen, Pünktlichkeit und Verantwortungsbewusstsein Vorteile gegenüber jüngeren Mitarbeitern. Das zeigt sich im Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten. Denn Diskussionen und Konflikte haben über Jahre die Kommunikationsfähigkeit eines Senior-Experten geprägt und gefördert – viele ältere Mitarbeiter sind deshalb hervorragende Vermittler.
Speziell in den Bereichen Qualitätssicherung und Qualitätsbewusstsein sind ältere Arbeitnehmer vielfach besser. Den jüngeren fehlen für eine komplexe Einschätzung oft die Erfahrungswerte und das nötige Wissen. Die Optimierung eines Prozesses lässt sich leichter bewerten, wenn es im Team eine erfahrene Fachkraft gibt. Mit ihrer Berufserfahrung können Senior-Experten auf ähnliche Fragestellungen oder Entwicklungen aus der Vergangenheit zurückgreifen – und dadurch die Qualität von Produkten und Services einschätzen.
Für Firmen gilt es auch, die Zusammenarbeit für die Aus- und Weiterbildung ihrer jungen Nachwuchskräfte zu nutzen. Der Wissenstransfer von Alt nach Jung, aber auch der Austausch des Praxiswissens der älteren Generation und des neuen theoretischen Wissens junger Absolventen, bedeutet für alle Beteiligten eine Bereicherung. Von dieser gezielten Zusammenarbeit profitiert letztendlich das ganze Unternehmen.
Das Werben um junge Fachkräfte kostet. Ein Rückgriff auf erfahrene Experten, die darauf brennen, sich einzubringen, spart deshalb Zeit und Geld. Ein weitere Vorteil: Senior-Experten können flexibel eingesetzt werden. Sie streben zumeist keine Vollzeitbeschäftigung an und stehen damit für zeitlich begrenzte Projektarbeit zur Verfügung.
Aber nicht nur Zeit- und Kostenersparnis sind für Unternehmen bei der Beschäftigung von Senior-Experten ausschlaggebend. Die arbeitswilligen Best Ager bringen vor allem eines mit: Motivation. Für Senior-Experten steht nicht das Geld an erster Stelle – sondern die Freude an der Arbeit und die Suche nach neuen Herausforderungen.
Darüber hinaus belegt die Arbeitswissenschaft: Senioren bis zu 70 Jahren sind bei geistigen und leichten körperlichen Arbeiten genauso leistungsfähig wie 50-Jährige. Außerdem stehen sie Unternehmen in strukturschwachen Regionen zur Verfügung, da sie – im Vergleich zu jungen Menschen – nicht so häufig wegziehen und gerne vor Ort bleiben.
Die Vorteile sind nicht von der Hand zu weisen. Das erkennen immer mehr Unternehmen. Die Liste der Gründe für die Einstellung von Senior-Experten ist lang. Ganz oben steht die Wertschätzung der oft jahrelangen Erfahrung. Auch die hohe Motivation wird von Personalern und Entscheidern sehr geschätzt. Damit wird ein Zukunftstrend deutlich: Schon heute zeichnet sich ab, dass deutsche Unternehmen in den kommenden Jahren vermehrt auf das Potenzial von Fachkräften im Ruhestand zugreifen.

Argumente für die Rekrutierung älterer Bewerber aus Sicht der Unternehmen. Quelle: IfM Bonn (2009)
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Absatzwirtschaft (2008), „Spielregeln für die 50plus-Generation“, in: Absatzwirtschaft: Zeitschrift für Marketing, April
Amabile, T. M., Kramer, S. J. (2007), „Inner Work Life – Understanding the Subtext of Business Performance“, in: Harvard Business Review, May
IfM Bonn (2009), „Personalpolitik mittelständischer Unternehmen im Zeichen des demografischen Wandels“, Institut für Mittelstandsforschung, Bonn
Management consult (2009), „Arbeiten im Alter – Empirische Studie 2009“, Management consult, Bonn
Marie-Luise und Ernst Becker Stiftung (2006), „Generation 60plus - tauglich für die Arbeitswelt 2020?“, Marie-Luise und Ernst Becker Stiftung , Köln
Nova Acta Leopoldina (2009), „Gewonnene Jahre - Empfehlungen der Akademiengruppe Altern in Deutschland”, Neue Folge Band 107, Nummer 371, Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina - Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, Halle (Saale)
Universität Lüneburg (2007), „Silver Workers – An empirical study of post-retirement activities – Economic and voluntary work of retired staff”, Leuphana Universität, Lüneburg
Zurück zur Übersicht Stand: 12.02.2011Trotz intensiver Recherche und gewissenhafter Prüfung übernehmen wir für die Inhalte keine Gewähr.
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