Demographischer Wandel und Fachkräftemangel in Deutschland

Fehlende Fachkräfte – Wachstumsbremse Nummer eins

Der Demographische Wandel kostet die deutsche Wirtschaft schon heute 33 Milliarden Euro pro Jahr. Der Grund: Es fehlen geeignete Fachkräfte. Mittel- bis langfristig sehen Experten drastisch zunehmende Probleme. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen sind vom Fachkräftemangel betroffen. Eine Lösung verspricht der Rückgriff auf qualifizierte Senior-Experten.

In Deutschland gibt es immer weniger Personen im erwerbsfähigen Alter. Dies resultiert aus dem starken Rückgang der Geburtenzahlen und dem Ausscheiden der geburtsstarken Jahrgänge der 50er und 60er Jahre aus der Arbeitswelt. Wenn mehr Arbeitnehmer den Arbeitsmarkt verlassen als nachkommen, ist in Deutschland Fachkräftemangel vorprogrammiert. Dabei steigt der Bedarf an qualifizierten Fachkräften noch. Selbst stark wachsende Zuwanderung oder der Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft können diese Entwicklung nicht auffangen.

Die Deutschen werden immer älter und weniger

Die Zahlen der statistischen Vorausberechnungen sind alarmierend. Leben heute noch weit über 80 Millionen Menschen in Deutschland, könnte diese Marke bereits 2017 unterschritten werden. Bis 2050 rechnen Experten sogar mit einem Rückgang auf bis zu 64 Millionen Einwohner. Durch die geringe Geburtenziffer wird sich zudem die Zahl der Menschen im Rentenalter im Verhältnis zu den Personen, die erwerbsfähig sind, fast verdoppeln (siehe hierzu auch der Artikel "Demographischer Wandel in Deutschland").

Dies hat weitreichende Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Die Zahl der Personen im Erwerbsalter sinkt dramatisch. Waren es 2010 noch 44,6 Millionen, geht dieser Wert bis 2025 um bis zu 6,5 Millionen zurück. Dies zieht auch negative Konsequenzen für den Wohlstand in Deutschland nach sich, denn ohne Erwerbsfähige und durch den damit verbundenen Fachkräftemangel kann die Wirtschaft ihr Wachstumspotential nicht ausschöpfen. Wissenschaftliche Berechnungen sagen bei einer solchen Entwicklung Wohlstandsverluste von über 4 Billionen Euro bis zum Jahr 2030 voraus.

Erschwerend kommt hinzu, dass nachkommende Generationen nicht nur weniger erwerbsfähige Personen hervorbringen, sondern diese zum Teil auch nicht über gleichwertige Bildung oder Qualifikation verfügen. Wenn die Ansprüche an eine Fachkraft aber nicht mehr erfüllt werden können, gefährdet dies nicht nur das Wachstum, sondern auch den Erhalt vorhandener Kapazitäten. Es droht ein Verlust an Wissens-Ressourcen bei gleichzeitiger Schwierigkeit, neues Wissen zu rekrutieren.

Schon heute ein Thema: Fachkräftemangel

Fakt ist: Bereits heute fehlen den Unternehmen Fachkräfte. Dies zeigen die Zahlen: Drei Viertel der Unternehmer geben an, dass sie Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung haben. 37 Prozent bereitet der Fachkräftemangel daher bereits heute große Sorgen. 74 Prozent gehen davon aus, dass sich das Problem in den nächsten Jahren noch massiv verschärfen wird. Umsatzeinbußen muss bereits über die Hälfte der Mittelständler hinnehmen, weil dringend benötigte Fachkräfte nicht verfügbar sind – laut Berechnungen ein Schaden in Höhe von 33 Milliarden Euro allein im Jahr 2011.


Vor allem die Industrie ist von dieser Entwicklung stark betroffen. Schon heute fehlen massiv IT-Fachkräfte sowie Maschinen-, Fahrzeugbau- und Elektroingenieure. Über 90.000 freien Ingenieursplätzen standen beispielsweise im April 2011 lediglich gut 20.000 arbeitslose Ingenieure gegenüber. Diese Lücke steigt beständig, denn die Zahl der aus dem Berufsleben scheidenden Ingenieure wird in den nächsten Jahren auf bis zu 50.000 pro Jahr anwachsen. Besonders rar werden auch hochqualifizierte Fachkräfte der MINT-Qualifikationen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Die Zahl der Studenten ist schlicht nicht ausreichend, um den Bedarf der Industrie zu decken. Dabei sind Studienabbrecher und ausländische Studierende, die später wieder in ihre Heimat zurückkehren, bei den meisten Prognosen noch gar nicht berücksichtigt. Der IT-Fachkräftemangel und seine Folgen könnten also noch stärker ausfallen als bislang erwartet.

Fachkräftemangel in Deutschland: zentrale Herausforderung des Mittelstandes

Besonders gravierend ist diese Situation für kleine und mittlere Unternehmen. Für sie wird es ungleich schwerer, qualifizierte junge Fachkräfte zu gewinnen. Im Vergleich zu großen Unternehmen sind sie für Absolventen und Auszubildende nicht so attraktiv. Gründe hierfür sind die meist ländlichen und abgelegenen Standorte, die geringere Bekanntheit, eine schlechtere finanzielle Ausstattung und das damit verbundene geringere Lohnniveau sowie die schlechteren Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten.

Für viele kleine und mittlere Unternehmen ist zudem die zukünftige Entwicklung schwerer einzuschätzen. 42 Prozent der Firmen unter zehn Mitarbeitern, die gewöhnlich über kein Personalmanagement verfügen, sehen sich dazu nicht im Stande. Besonders hier bedarf es besserer Aufklärung und Sensibilisierung für die Problematik und vor allem deren Brisanz. Denn selbst wenn das Risiko Fachkräftemangel einmal erkannt ist, ziehen die wenigsten Unternehmen wirkliche Konsequenzen daraus – nicht zuletzt, weil ein Ausweg nur schwer zu finden scheint.

Ruheständler als ungenutztes Fachkräfte-Potenzial

Die Lösung des Problems kann im bislang ungenutzten Potenzial der Fachkräfte im Ruhestand liegen. Diese verfügen über die nötigen Qualifikationen, sind motiviert und zudem körperlich und geistig fit (siehe hierzu auch die Information "Vorteile älterer Arbeitnehmer"). Viele Ruheständler wollen einer Beschäftigung nachgehen – Unternehmen suchen dringend qualifizierte Fachkräfte. Fazit: Hier kann eine Win-win-Situation geschaffen werden. Senior-Experten erhalten noch einmal die Möglichkeit, ihre wertvollen Erfahrungen aktiv zum Einsatz zu bringen. Unternehmen wird ein Pool motivierter, kompetenter und flexibel einsetzbarer Fachkräfte bereitgestellt.

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Quellen

Brandt, Arno et al. (2010), "Fachkräftemangel und demographischer Wandel bis 2020. Gutachten im Auftrag der Region Hannover. Teil II: Handlungsansätze für kleine und mittlere Unternehmen in der wissensintensiven Wirtschaft in der Region Hannover", NORD/LB Regionalwirtschaft, Hannover

Bundesagentur für Arbeit (2011), „Perspektive 2025: Fachkräfte für Deutschland“, Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg

DIHK (2010), "Mitarbeiter dringend gesucht! Fachkräftesicherung - Herausforderung der Zukunft", Deutscher Industrie- und Handelskammertag e.V., Berlin

Ernst & Young (2011), "Ernst & Young Mittelstandsbarometer 2011. Sommerumfrage", Ernst & Young GmbH

Heidemann, Winfried (2011), "Zukünftiger Qualifikations- und Fachkräftebedarf. Handlungsfelder und Handlungsmöglichkeiten. Ein Überblick", Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf

IAB (2010), „IAB-Kurzbericht Nr. 12 2010 – Demografie gibt die Richtung vor“, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Nürnberg

McKinsey Deutschland (2011), "Wettbewerbsfaktor Fachkräfte. Strategien für Deutschlands Unternehmen", McKinsey & Company, Inc., Berlin

VDI (2011), "Positionspapier. Fachkräftemangel und -sicherung", Verein deutscher Ingenieure e.V., Düsseldorf

Zurück zur Übersicht Stand: 20.09.2011


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