Auswirkungen des demographischen Wandels auf die soziale Sicherheit

Wie eine alternde Gesellschaft zu sozialen Problemen führen kann

Deutschland wandelt sich. Die Bevölkerung wird immer älter, die Jungen immer weniger. Der demographische Wandel beschleunigt sich. Auch der soziale Bereich und die sozialen Sicherungssysteme sind davon betroffen. Die gesetzliche Rente reicht nicht mehr aus und muss um eine private Altersvorsorge ergänzt werden, die Pflegeversicherung gerät in Schieflage, ganze Landstriche verwaisen. Dabei haben die Probleme gerade erst begonnen.

Die demographische Entwicklung in Deutschland ist aufgrund der aktuellen Bevölkerungsstruktur vorgezeichnet. Mit weitreichenden Konsequenzen für die sozialen Sicherungssysteme. Immer mehr Menschen droht Altersarmut, da immer weniger Beitragszahler für die Finanzierung der Renten sorgen. Der Generationenvertrag ist gefährdet und mit ihm auch das Verhältnis zwischen Jung und Alt. Ein drastisches Umdenken ist nötig, um die Folgen dieser Entwicklung einzudämmen.

Immer weniger, aber immer ältere Deutsche

Während weltweit die Bevölkerung wächst, werden die Deutschen immer weniger. Von heute fast 82 Millionen wird die Einwohnerzahl im Jahr 2050 auf bis zu 64 Millionen sinken. Die viel zu geringe Geburtenzahl führt dazu, dass sich das Verhältnis von Jung zu Alt drastisch verändert. Die Deutschen verschwinden nicht nur, sie vergreisen (siehe hierzu auch den Artikel "Demographischer Wandel in Deutschland").



Auf dem Arbeitsmarkt spürt man die Auswirkungen der demographischen Entwicklung am stärksten. Bis 2025 geht die Zahl der Personen im Erwerbsalter um bis zu 6,5 Millionen zurück. Dadurch fehlen der Wirtschaft vor allem qualifizierte Fachkräfte, um das Wachstum und damit den Wohlstand in Deutschland zu sichern. Denn je weniger Arbeitnehmer, desto geringer sind die Steuereinnahmen sowie die Renten-, Sozial- und Krankenversicherungsbeiträge. Statistiken zufolge beträgt der Wohlstandsverlust bis zum Jahr 2030 über vier Billionen Euro (siehe hierzu auch den Artikel "Demographischer Wandel und Fachkräftemangel in Deutschland").

Sinkende Renten und fehlendes Wissen: Was ist der Generationenvertrag?

Tatsächlich herrscht bei vielen Arbeitnehmern noch der Glaube vor, Rentenbeiträge seien Sparbeträge und stünden im Alter automatisch zur Verfügung. Doch Grundlage des deutschen Systems ist der Generationenvertag, nach dem die Zahlungen aktueller Arbeitnehmer die Renten der älteren Generation tragen. Nur was also zum gegenwärtigen Zeitpunkt eingezahlt wird, kann auch weitergegeben werden. Die demographische Entwicklung führt aber dazu, dass die Zahl der Beitragszahler immer weiter sinkt, die Zahl der Rentenbezieher hingegen steigt.

Kamen im Jahr 1991 noch über vier Arbeitnehmer auf einen Rentner, so waren es 2008 nur noch etwa drei. Bis 2030 wird diese Zahl auf unter zwei sinken, bis 2060 sogar auf 1,3. Das bedeutet, weit weniger als zwei Personen müssten eine volle Rente finanzieren. Damit das gelingt, muss entweder der Rentenversicherungsbeitrag enorm steigen, oder aber die Rente drastisch sinken. Der Generationenvertrag wankt. Um dem entgegenzusteuern, wurde zwar das Renteneintrittsalter angehoben und die private Altersvorsorge eingeführt. Doch Experten sind sich einig: Diese Maßnahmen reichen bei weitem nicht, um das Problem zu lösen.



Die Konsequenz: Altersarmut. Bereits 2009 nahmen über 400.000 Rentner die Grundsicherung von 637 Euro in Anspruch, weil ihre Rente zu gering ausfiel. Besonders stark betroffen sind westdeutsche Frauen. So bezog im Jahr 2008 eine Rentnerin im Saarland durchschnittlich lediglich 390 Euro im Monat. Doch auch die bundesdeutsche Höhe der Eintrittsrente sinkt rapide. Ein westdeutscher Arbeitnehmer, der 2009 zum ersten Mal Altersrente bezog, bekam mit 820 Euro ganze 150 Euro weniger als der Durchschnitt der zu dem Zeitpunkt bereits Rente Beziehenden. Schuld daran ist unter anderem die steigende Zahl der Geringverdiener, die weder ausreichend in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen noch privat vorsorgen können. Fast jedem Sechsten droht damit der Absturz unter die Armutsgrenze und die Notwendigkeit der Grundsicherung für Rentner. Und je stärker die Zahl der Älteren gegenüber den Erwerbstätigen steigt, desto größer wird die Gefahr von Altersarmut in Deutschland.

Gesundheit und Pflege werden immer teurer

Mit einer wachsenden Zahl Älterer steigen auch die Anforderungen an Gesundheitswesen und Pflege. Zwar werden die Deutschen immer fitter und bleiben länger leistungsfähig, trotzdem steigt die absolute Zahl der Pflegebedürftigen. Heute sind es etwa 2,3 Millionen. Bereits im Jahr 2020 rechnet man mit über 2,9 Millionen, bis 2060 gar mit fast doppelt so vielen. Schon heute aber fehlt dem Pflegebereich Personal – die knappen Ressourcen werden also zwangsläufig teurer.

Damit Pflege und Gesundheit bezahlbar bleiben, bedarf es auch struktureller Veränderungen. Untersuchungen haben ergeben: Je länger ein Mensch körperlich und geistig aktiv gefordert wird und arbeitet, desto länger bleibt er fit und zufrieden (siehe hierzu auch der Artikel "Arbeit als Jungbrunnen"). Arbeiten im Alter kann also sowohl den Pflegebedarf in Grenzen halten als auch für die notwendige finanzielle Absicherung gegen Altersarmut sorgen. Eine der zentralen Aufgaben von Politik und Gesellschaft wird daher sein, Arbeitsmöglichkeiten für Ältere zu schaffen. Ein Umdenken und neue Ideen sind gefordert. Schon heute hat sich sentiso – das Netzwerk für Projektarbeit von Fachkräften im Ruhestand – dieser Problematik angenommen.

Versorgungsengpässe auf dem Land

Angesichts kommender Herausforderungen durch die Demographie in Deutschland treten vor allem ländliche Regionen mehr und mehr in den Mittelpunkt. Ärztemangel ist nur ein Faktor, den es schon heute zu beobachten gilt. Fehlender oder wegziehender Nachwuchs gefährdet den sozialen Zusammenhalt. Die Industrie auf dem Land findet immer schwerer die benötigten neuen Mitarbeiter, ganze Landstriche verwaisen. Dieser Entwicklung muss dringend entgegengesteuert werden, denn die Konsequenzen immer dramatischerer demographischer Verschiebungen können verheerend sein.

Besonders kleine und mittlere Unternehmen in strukturschwachen Regionen benötigen Unterstützung, um nicht von der Entwicklung erdrückt zu werden. Sie bilden das Rückgrat gesellschaftlichen Wohlstands und sollten daher besondere Beachtung finden. Personelle und finanzielle Engpässe gilt es zu überwinden. Bestehende Ressourcen müssen besser genutzt und eingebracht werden, um sich den Problemen des demographischen Wandels zu stellen. Besonderes Augenmerk gilt dabei den neuen Bundesländern, da sich hier die Entwicklung ungleich stärker abzeichnet (siehe hierzu auch der Artikel "Aus altem Eisen neues schmieden").

Ruheständler als ungenutztes Potenzial

Weniger Arbeitnehmer, in der Summe geringere Beitragszahlungen und eine stetig wachsende Zahl von Rentenbeziehern. Dass die Formel des Generationenvertrages nicht aufgehen kann, wird den Menschen in Deutschland erst langsam bewusst. Dabei sind rasche Lösungen gefragt, um der Entwicklung rechtzeitig entgegenzuwirken und die Folgen für die sozialen Sicherungssysteme zu begrenzen. Ein Ansatz kann im ungenutzten Potential der Fachkräfte im Ruhestand liegen. Diese verfügen über die nötigen Qualifikationen, sind vielfach motiviert, noch zu arbeiten, und zudem körperlich und geistig fit (siehe hierzu auch die Information "Vorteile älterer Arbeitnehmer").

Längeres und flexibleres Arbeiten bietet finanzielle Absicherung, stützt das Wachstum und hilft, die Folgen steigender Gesundheitskosten zu mildern. Denn auch Rentner sorgen für Steuereinnahmen, wenn sie wieder aktiv werden. Ebenso generieren sie Renten-, Sozial- und Krankenversicherungsbeiträge. Viele Ältere wollen überdies noch arbeiten und ihre Fähigkeiten aktiv einbringen. Dadurch sind sie zufriedener, sichern sich gegen Altersarmut ab und sorgen auch für geringere Kosten im Gesundheitssystem. Es entsteht eine Situation, von der alle profitieren: Unternehmen, Senioren und die sozialen Sicherungssysteme.

sentiso bietet eine Lösung an, dies möglich zu machen und den ersten Schritt in die richtige Richtung zu gehen. Auf www.sentiso.de treffen sich Erfahrungsangebot und Erfahrungsnachfrage, um rechtzeitig auf die Herausforderung demographischer Wandel zu reagieren und die sozialen Folgen zu minimieren. Werden Sie Teil dieser Entwicklung und informieren Sie sich, welche Vorteile für Unternehmen sentiso bietet.

Quellen

Goebel, Jan/Grabka, Markus M. (2011), „Zur Entwicklung der Altersarmut in Deutschland“, DIW Wochenbericht Nr. 25.2011, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e. V., Berlin

Müller, Christoph/Raffelhüschen, Bernd (2011), „Demografischer Wandel: Künftige Handlungsoptionen für die deutsche Rentenpolitik“, IZA Standpunkte Nr. 40, Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit, Bonn

Rothgang, Heinz et al. (2010), „Barmer GEK Pflegereport 2010”, Barmer GEK, Schwäbisch Gmünd

Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (2011), „Herausforderungen des demografischen Wandels. Expertise im Auftrag der Bundesregierung“, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden

Spiegel (2010), „Länderübersicht. So viel Rente gibt es in West und Ost“, http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,709284,00.html

Werding, Martin (2011), „Demographie und öffentliche Haushalte. Simulationen zur langfristigen Tragfähigkeit der gesamtstaatlichen Finanzpolitik in Deutschland“, CESifo, Ruhr-Universität Bochum, Bochum

Zurück zur Übersicht Stand: 12.10.2011


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