Wann müssen Rentner eine Einkommenssteuererklärung abgeben?

Antworten auf die Frage, ob Rentner eine Steuererklärung einreichen müssen oder nicht

Aktuell werden von den Finanzämtern verstärkt Ruheständler bezüglich eventueller Steuerschulden geprüft – ermöglicht durch die Steuer-Identifikationsnummer. Hierdurch will man insbesondere seit der Einführung des Alterseinkünftegesetzes diejenigen Rentner ermitteln, die vergessen haben, Steuerschulden anzugeben. Viele Rentner wissen aber überhaupt nicht, dass sie dies hätten tun müssen.

Ob Rentner eine Steuererklärung abgeben und Steuern zahlen müssen, hängt maßgeblich von der Höhe der Rente und weiteren Nebeneinnahmen ab. Dabei ist zu unterscheiden, ob nur eine Steuererklärung eingereicht werden muss oder ob tatsächlich auch Steuern zu zahlen sind.

Wann muss eine Einkommenssteuererklärung abgegeben werden?

Rentner müssen prinzipiell immer eine Einkommenssteuererklärung abgeben, wenn sie durch das Finanzamt dazu aufgefordert werden. Außerdem muss eine Steuererklärung gemacht werden, wenn das Gesamteinkommen den Grundfreibetrag pro Kalenderjahr überschreitet. Dieser liegt in 2011, ebenso wie in 2010, bei 8.004 Euro für Ledige und 16.008 Euro für Ehepaare. Zum Gesamteinkommen zählen dabei z.B. gesetzliche und private Renten, Zinserträge, Miet- und Kapitaleinnahmen und Einkünfte aus Nebenerwerben. Außerdem sind Rentner verpflichtet eine Steuererklärung einzureichen, wenn sie eine Betriebsrente oder Pension erhalten, Mieteinnahmen erzielen oder eine Arbeitstätigkeit auf Lohnsteuerkarte ausführen. Die Fristen für die Abgabe der Steuererklärung sind der 31.05. des jeweils folgenden Jahres, wenn Sie diese selbst machen (also z.B. der 31.05.2011 für die Einkommenssteuererklärung 2010). Nehmen Sie die Hilfe eines Steuerberaters in Anspruch, verlängert sich die Frist bis zum 31.12. des jeweils folgenden Jahres.

Wenn Sie unterhalb des Freibetrages liegen, ist es möglich beim Finanzamt eine sogenannte Nichtveranlagungsbescheinigung zu beantragen. Diese befreit dann von der Pflicht der Steuererklärung. Auch kann hiermit die Befreiung von der Abgeltungssteuer erreicht werden, wenn die Nichtveranlagungsbescheinigung bei der Bank vorgelegt wird. Dies gilt auch für den Fall, dass Sie über dem Sparer-Pauschbetrag liegen – aktuell 801 Euro für Ledige und 1.602 Euro für Ehepaare. Die Bescheinigung gilt aber immer nur für höchstens drei Jahre und entbindet nicht von der Steuerpflicht.

Was wird wie besteuert?

Mit dem sogenannten Alterseinkünftegesetz hat es seit 2005 erhebliche Veränderungen bei der einkommensteuerrechtlichen Behandlung von Altersvorsorge-Aufwendungen und Altersbezügen gegeben. Die Besteuerung erfolgt nun nachgelagert. Hierdurch hat sich auch der Anteil der Rentner erhöht, die steuerpflichtig sind.

Fast alle Renten sind steuerpflichtiges Einkommen. Allerdings werden die unterschiedlichen Renten auch unterschiedlich besteuert. Gesetzliche Renten werden für alle, die 2005 und davor in Rente gingen mit 50% besteuert. Für spätere Jahrgänge erhöht sich der besteuerte Anteil schrittweise bis 2040 auf 100% (siehe weitere Informationen zu Steuern für Rentner).

Betriebsrenten sind allgemein zu 100% steuerpflichtig, wenn die Beiträge während des Arbeitslebens steuerfrei eingezahlt wurden. Direktversicherungen hingegen, deren Beiträge pauschal versteuert wurden, werden mit dem Ertragsanteil versteuert. Der Ertragsanteil hängt dabei vom Alter des Versicherten bei Rentenbeginn ab. So beträgt bei Rentnern, die ihre Rente das erste Mal mit 65 Jahren bezogen haben, der Ertragsanteil z.B. 18%.

Wie ermittelt sich die zu zahlende Steuer?

Die ermittelten Einkünfte können durch steuermindernde Tatbestände verringert werden, wenn Sie eine Steuererklärung abgeben (siehe weitere Informationen zu Steuern für Rentner). Hierzu gehören z.B. Werbungskosten (Pauschbetrag von 102 Euro, wenn keine Werbekosten anfallen), Eigenanteile zur Kranken- und Pflegeversicherung, Beiträge zu Haftpflicht- und Unfallversicherungen, Kirchensteuer, Spenden, Ausgaben für Medikamente, Praxisgebühren und Zuzahlungen beim Arzt. Solange nach Abzug dieser Beträge der steuerliche Freibetrag von 8.004 Euro unterschritten wird, werden keine Steuern fällig. Wichtig ist, dass die Ausgaben durch Rechnungen bzw. Kassenzettel belegt werden können.

Welche Formulare müssen Rentner bei der Steuererklärung ausfüllen?

Wichtige Steuerformulare für Rentner sind der sogenannte Mantelbogen, die Anlage R und die Anlage Versorgungsaufwand. Im Mantelbogen werden Angaben zur Adresse und zu Kontoverbindungen gemacht. Weiterhin können hier Beiträge zu diversen Versicherungen (Kranken-, Pflege-, Haftpflichtversicherung etc.), Sonderausgaben (Spenden, Kirchensteuer) und außergewöhnliche Belastungen (Krankheitskosten, Heimkosten) angegeben werden.

Darüber hinaus ist die Anlage R ein Pflichtformular. Hier werden sämtliche Renteneinkünfte und auch Veränderungen, ob aus gesetzlichen, privaten oder betrieblichen Renten, eingetragen. Zudem werden Einnahmen aus Pensionsfonds, Riester-Renten, aus Direktversicherungen und Zusatzversorgungskassen erfasst.

Neu ist die Anlage Versorgungsaufwand. Hier werden Angaben zu Vorsorgeaufwendungen und Altersvorsorgebeiträgen gemacht. Für Firmen- oder Beamtenpensionen kann zudem die Anlage N interessant sein. Sollten Sie hohe Kapitalerträge erzielt haben, ist darüber hinaus die Anlage KAP zu beachten.

Wenn Sie in Bezug auf Ihre Steuerzahlungen und die Einkommenssteuererklärung unsicher sein sollten, empfiehlt es sich, Rücksprache mit einem Lohnsteuerhilfsverein oder einem Steuerberater zu halten. Auch erscheinen aus unserer Sicht diese Steuertipps für Senioren und die Informationen zu der Besteuerung von Alterseinkünften als sehr sinnvolle Informationsmaterialien.

Quellen:

Bundesministerium der Finanzen (2009a), „Zur aktuellen Diskussion um die Rentensteuer - Rente bleibt für Mehrheit steuerfrei“, Bundesministerium für Finanzen, Berlin

Bundesministerium der Finanzen (2009b), „Auf dem Weg zur einfacheren Rentensteuer - Die vorausgefüllte Steuererklärung hilft den Bürgern“, Bundesministerium für Finanzen, Berlin

Bundesministerium der Finanzen (2010), „Besteuerung von Alterseinkünften“, Bundesministerium der Finanzen, Berlin

Zurück zur Übersicht Stand: 05.05.2011


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